22. November - 21. Dezember

Schütze

Hier nun die zweite Seite, die sich auf unsere Monate bezieht. Sie sind gemeint als eine Orientierrung im Jahreslauf und gewonnen aus einer Meditationsleistung im Gang durch das Jahr.

Dann kann die Adventstimmung kommen, die als erste charakterisiert wurde, die da beginnt mit der Empfindung des Wortes. Wir sind  wirklich durch die Jahresstimmungen hindurchgekommen, um wiederum ein Jahr reifer dasjenige empfinden zu können, was der Logos ist und wir können damit die Stimmung in der Adventzeit entwickeln, die der Weihnachtszeit entgegengehen soll. Wir beginnen mit derjenigen Zeit, die etwa dauert, sagen wir, vom Ende des November bis gegen Ende des Dezember, bis zum Weihnachtsfeste. Also wir beginnen mit demjenigen, was man nennen kann die Adventszeit. Diese Adventszeit wird in der richtigen Weise von uns empfunden, wenn wir sie als die Vorbereitung zur Weihnachtszeit selber durchmachen. Das aber kann nur dann sein, wenn wir wirklich in uns lebendig machen alles dasjenige, was gewissermaßen in der Weltentwickelung und in der Menschheitsentwickelung selbst innerhalb einer solchen Vorbereitung lebendig ist, und das sind im wesentlichen für die Adventszeit folgende Einzelheiten. Derjenige, der diese Adventszeit durchleben will, soll seine Meditation zunächst richten auf dasjenige, was sich als ein gewisses Mysterium  einschließt in dem, was man nennen kann das Wort, den Logos.

1. Wort (Logos)

Er soll namentlich empfinden, wie erweitert werden muß der Logosbgriff so, dass man dasjenige, was man erhält, in allem empfindet, was eigentlich Welt ist, dass man empfindet das Wirken des Logos im Wehen des Windes, im Wandeln der Wolken, in dem Gang der Sterne, der Sonne und des Mondes, in dem Wachsen und Werden alles dessen, was uns umgibt, aber auch empfindet in alle dem, was in dem Menschen wird, ohne das der Mensch durch die eigene Kraft seiner Seelentwickelung etwas dazu tut zunächst. Dabei empfinden wir dann den Logos oder das Wort noch nicht in seiner Vollständigkeit, aber das wesentlichste einer Meditation besteht ja darin, dass man mit einem unvollständigen Anfang anfängt, wie die Pflanze mit der Wurzel, und dass man dasjenige, womit man anfängt, indem es wächst in einem, selber zu dem kommen lässt, was daraus werden kann. Das zweite, was in dieser Zeit besonders empfunden werden kann, ist dasjenige, was man nennen möchte das Gebot.

2. Das Gebot

also dasjenige, was sich ergibt, wenn der Mensch mehr nach dem Inneren blickt. Man könnte sagen: Will man bildhaft dasjenige empfinden, was da liegen soll in diesem Gebot oder Gesetz, dann wende man auf der einen Seite den Blick zu dem alttestamentarischen Bilde von der Verkündigung des Gesetzes an Moses im brennenden Dornbusch, oder aber man suche nachzufühlen dasjenige, was empfunden wird heute noch in ritueller Beziehung als das Richtige beim Absovieren des jüdischen Gottesdienstes in dem Sprechen des: O, Adonai. Das dritte, worauf man das Augenmerk richten soll, das möchte ich nennen das Naturgeschehen. 

3. Das Naturgeschehen

mit seiner Notwendigkeit, das so empfunden werden muß, dass der Mensch, der da schaut sowohl die sprossenden wie auch die vernichtenden Kräfte der Natur, der da schaut, sagen wir, das Wuchern eines Urwaldes als das Charakteristikum des Wachsens, der da schaut Erdbeben oder Vulkanausbrüche als das Charakteristikum des Zerstörens, da die notwendige Werdekraft der Natur empfindet. Im wesentlichen ist das die Empfindung, die uns in der richtigen Weise an das heranbringt, was das Alte Testament nennt die Wurzel Jesse. Das vierte, wohinein wir uns zu vertiefen haben, ist dasjenige, was man nun nennen kann die moralische Kraft im Menschen, die aus unbestimmten Tiefen in unserer Zeit als Gewissen zum Beispiel heraus spricht.

4. Moralische Kraft

Es ist im wesentlichen dasjenige, was schon im Sinne des Alten Testamentes empfunden wird als der Urgrund im Menschen, durch den er ein abgeschlossenes Selbst gegenüber der Außenwelt ist, das daher wohl auch genannt werden kann: der Schlüssel, der öffnet und niemand schließt, der schließt und niemand öffnet. Wir haben uns da meditativ versenkt in diejenigen Punkte, welche auch im Hinblick auf den Menschen selbst empfunden werden können. Wenn man sich dann aber mehr nach außen hin wendet, dann mache man in sich rege das sich durch die Welt ergießende Licht, was man aber zugleich empfindet, indem man dasjenige, was für die Sinne als Licht da ist, für den Geist in Anspruch nimmt als die Gerechtigkeit des Alls.

5. Licht:

Gerechtigkeit in den Sprachen der früheren Zeiten bedeutet ja Recht etwas, was mit „richten“ zusammenhängt, und dieses wiederum hängt zusammen mit dem Strahl. Man kann dann empfinden, wie dasjenige, was als leuchtende Gerechtigkeit empfunden wird, hineindringt in das Finstere, in den Schatten, als das Belebende, das in den Todesschatten hineinwirkt. Bilder sind es, denen wir uns hauptsächlich hingeben müssen, und aus dieser Bildgestaltung heraus erwächst uns dann die Möglichkeit, nachdem wir gewissermaßen die Sonne der Gerechtigkeit empfunden haben, entstehen  zu lassen aus diesem Bild der Sonne der Gerechtigkeit, wenn wir das tief genug empfunden haben, auch dasjenige, was zusammenfasst in eines das Gute und das Böse, dass es sich zum Guten wendet durch die Kraft, die von ihm ausstrahlt – nicht vom Bösen ausstrahlt, sondern von demjenigen, was wir erfassen sollen -. Dass wir uns nicht etwa allein zu jenen setzen, die die Gerechtigkeit durch eine gewisse innerliche Hochmütigkeit in Anspruch nehmen, sondern auch u jenen, die als die Sünder erkannt sind. Schließlich schwingen wir uns auf, wenn wir durch eine Bilderreihe hindurchgehen, zu der Empfindung des Christus.

6. Christus

der das Leben mit dem Tode eint und den Tod mit dem Leben. Und endlich können wir von da aus, ich möchte sagen, in die Perspektive hineingerückt werden, die unmittelbar zum Weihnachtsfest hinführt, die Perspektive, durch die wir sehen können den Christus in dem Jesus, der im Neuen Testament ja wohl auch so genannt wird, Immanuel, weil in dem Jesus der Gott ist.

7. Jesus = Immanuel.

Wenn wir  in der Adventzeit uns mit diesen Bildern in diesen eben charakterisierten organischen Zusammenhang meditativ beschäftigen, so ist das dann dasjenige, was sich etwa – wie ich Ihnen an einem Beispiel noch zeigen möchte – ausleben kann, indem wir  innerlich das Erlebte ins Wort fassen, wodurch etwa herauskäme:

Die Himmel und die Erde durch wallet das Wort
Es sprach gebietend zu Moses auf dem Berge
Es gestaltet Weltenwesen, zur Offenbarung dem Menschen
Es webt im Menschen - Innern, dem Verborgenen durch sich selbst

Es leuchtet als Sonne aus dem Lichte in die Finsternisse
Es lebt in dem Christus, hell aus der Finsternis, sanft in der Helle
Es tritt auf die Erde in Jesus.

 Ich darf bei dieser  Gelegenheit wohl darauf aufmerksam machen, dass in alten Zeiten der Menschheitsentwickelung dasjenige, was gegeben worden ist als Sprache, und was dann geführt hat zu den poetischen Formen, zu dem Wortkünstlerischen der Menschheit, nie anders gegeben worden ist als aus solchem innerlich den kosmischen Strömen angemessenen Miterleben und aus einem solchen Miterleben der Welt, so dass da wirklich jeder Satz in älteren Sprachen und auch in älteren Poesien bezogen werden kann auf so etwas.

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