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Hier soll nun erwähnt werden, daß es Anhaltspunkte dafür giebt, daß in dem deutschen Wörtchen, daß man nur zu sich selber sagen kann -Ich-, die Anfangsbuchstaben von Jesus Christus verborgen sein könnten. Wohl gemerkt, könnte sein.
1. In dem Sondersein entdecke das Gesetz: denn das Gesetz wob der erste der Sieben in den Stoff.
2. In der Bewegung entdecke das Leben: denn das Leben goß der zweite der Sieben in den Stoff.
3. In dem Verlangen entdecke die Person: denn die Person prägte der dritte der Sieben in den Stoff.
4. In dem Gedanken entdecke dich: denn dem Ich schenkte der vierte der Sieben sein Selbst.
5. In deinem Verlangen entdecke die Entsagung: denn durch die Entsagung opferte sich der fünfte der Sieben, auf daß du Selbst seiest.
6. In deiner Bewegung entdecke die selige Ruhe: denn die selige Ruhe opferte der sechste der Sieben, auf daß du als Selbst lebend dich bewegst.
7. In deinem Sondersein entdecke dein ewiges Gesetz: denn als ewiges Gesetz hat der siebente der Sieben dein Selbst in Sonderheit geschaffen, und wird es als ewiges Gesetz aus der Sonderheit führen.
Die Kraft zur Rückentwicklung wurde der Menschheit geboren, als der den kosmisch-menschheitlichen Evolutions-Involutionsprozeß bewirkende Weltengeist Christus historisch in Erscheinung trat und durch das große Opfer auf Golgatha zum führenden Geist der Erde wurde:
«... Daß der Mensch sich wieder zurückentwickeln kann zu einem Bewußtsein von seiner geistigen Beziehung [zum Kosmos], das verdankt man dem Mysterium von Golgatha. Aber man muß das, was man dem Mysterium von Golgatha verdankt, aus freiem inneren Antrieb heraus suchen. Das Christentum setzt Freiheit voraus.»
Nachdem von unserem Zeitalter an diese Bewußtseins-Rückentwicklung einzusetzen hat, ergibt sich als notwendig, daß das christliche Freiheitselement auch dem Wesen des Kultus, dem Sakramentalismus einverleibt werden muß. Das heißt, daß zunehmend nach der Zukunft hin nicht mehr der eine für die anderen alle das Opfer zu vollbringen haben wird, sondern daß der eine mit dem anderen gemeinschaftlich das Gleichwerden der Menschen gegenüber dem Christus, der als Sonnenwesen auf die Erde herunter- gestiegen ist, erleben soll. Freiheit, Individualismus im Religiösen, im Sakramentalismus, bedeute aber für die Geisteswissenschaft nicht, daß jeder Mensch seine eigene Religion haben solle - das müßte nur zur völligen Zersplitterung der Menschheit in einzelne Individuen führen -, sondern daß durch das Aufnehmen geisteswissenschaftlicher Erkenntnisse eine Zeit kommen wird, «wenn sie auch noch so ferne liegt», in der die Menschheit immer mehr und mehr von der Erkenntnis der innerlichen Wahrheitswelt ergriffen werden wird. Und dadurch werde dann «trotz aller Individualität, trotzdem jeder die Wahrheit einzeln in sich finden wird, Übereinstimmung herrschen»; unter völliger Wahrung von Freiheit und Individualität wird man sich dann in freien Zusammenhängen zusammenschließen.
In diesem Sinne wurde immer wieder darauf hingewiesen, daß dasjenige, was bisher bloß auf dem Kirchenaltar vollzogen wurde, die ganze Welt ergreifen muß, daß alle menschlichen Tätigkeiten ein Ausdruck eines Übersinnlichen werden sollen. Insbesondere seit dem ersten Weltkrieg ist immer stärker betont worden, wie wichtig es für das ganze soziale Leben ist, sich wieder in ein harmonisches Zusammenleben mit dem Universum hineinzufinden, da die Menschheit sonst dazu verurteilt ist, «immer mehr und mehr die Disharmonie im sozialen Zusammenleben zu entwickeln, und immer mehr und mehr Kriegsstoff über die Welt auszusäen». Zu aufsteigenden Kulturkräften wird man nicht wieder kommen, solange man vor allem in Wissenschaft und Technik neben einer abgesonderten Religion nur dem menschlichen Egoismus dient, solange man am Laboratoriums- und Experimentiertisch ohne das verehrende Bewußtsein für das «große Weltgesetz» forscht und experimentiert. «Der Laboratoriumstisch muß zum Altar werden», ist eine Formel, der man immer wieder erwähnen sollte.
Daß es dazu noch eines langen Weges bedürfen wird und darum Toleranz geübt werden sollte, sowohl von Seiten derer, die die alten Formen weiterzupflegen haben, wie von seiten derer, die das Zukünftige erstreben sollten, geht aus den folgenden Äußerungen hervor:
«Freilich, so wahr es ist, daß in bezug auf das wahre Leben ein ganz neues Zeitalter anbricht, so wahr ist es auch, daß der Weg zu dem Christus, der für viele Jahrhunderte der richtige war, es auch für viele Jahr- hunderte noch bleiben wird. Die Dinge gehen nach und nach ineinander über. Aber das, was früher richtig war, wird sich nach und nach in ein anderes verwandeln, wenn die Menschen dafür reif werden.»
«Gleich wie derjenige - der dadurch, daß er den Geist des Mysteriums von Golgatha, den Christus, in seinem Innern so tief ergriffen zu haben glaubt, daß er unmittelbar, man möchte sagen <Zwiesprache> mit diesem Christus pflegen kann - mit Verständnis hinblicken muß auf die, welche die positiven Satzungen eines Bekenntnisses brauchen, welche den Christus-Diener brauchen, der ihnen immer wieder und wiederum Trost mit den Worten gibt: Deine Sünden sind dir vergeben - sollten auf der anderen Seite tolerant sein diejenigen, welche sehen, daß Menschen da sind, die schon mit sich selbst fertig werden. Das mag alles ein Ideal sein im Erdendasein, aber wenigstens der Geisteswissenschafter darf zu einem solchen Ideal aufblicken.»
Aber nicht nur auf die Bedeutung des Kultischen für die individuelle, sondern auch für die ganze Menschheits- und Erdenentwicklung wurde hingewiesen. In Vorträgen, die in der Zeit gehalten wurden, in denen sich die religiöse Erneuerungsbewegung «Die Christengemeinschaft» begründete und in denen das Wort fiel, daß in dem Kultus die Mysterien stecken, die sich «in ihrer vollen Bedeutung» erst in der Zukunft offenbaren werden, «eben die Mysterien der kommenden Zeit», wurde ausgeführt, daß eine Zeit kommen werde, in der die Erde nicht mehr sein wird; alles, was heute an Stoffen die Naturreiche und die Menschenleiber ausfüllt, wird im Weltenall zerstäubt sein. Auch alle durch die maschinelle Technik bewirkten Vorgänge werden der Vergangenheit angehören.
Aber dadurch, daß durch «richtige» Kultushandlungen, die aus einem «richtigen Erfassen der geistigen Welt» hervorgehen, in diese untergehenden Natur- und Kulturprozesse elementar-geistige Wesenheiten, die mit der Fortentwicklung der Erde zu tun haben, hereingerufen werden können, werde die Erde aus der Vernichtung neu auferstehen .
Eine andere tief in die Gesamtentwicklung von Menschheit und Kosmos hineinleuchtende Begründung für das Wort, daß in dem Kultischen die Mysterien der Zukunft liegen, ergibt sich aus jenem geisteswissenschaftlichen Forschungsergebnis, wonach das Göttlich-Geistige des Kosmos durch das freie, aus dem Ich-Bewußtsein heraus selbstverantwortlich gewordene Menschentum in der Zukunft ein anderes Wesen als bisher offenbaren werde: «Nicht mehr dieselbe Wesenheit, die einst als Kosmos da war, wird da durch die Menschheit aufleuchten. Das Göttlich-Geistige wird im Durchgang durch das Menschentum ein Wesen erleben, das es vorher nicht offenbarte.» Für diese neue Offenbarungsweise des kosmischen Geistwesens werden somit auch erst in der Zukunft die entsprechenden Kultformen entstehen können, da das Wesen eines echten Kultus darin besteht, «daß er das Abbild ist von demjenigen, was in einer geistigen Welt vorgeht».
Voraussetzung zu all dem ist die Weiterentwicklung des Denkens. Erst davon ausgehend wird man dazu kommen können, nach und nach alle Lebensbetätigungen zu sakramentalisieren. Dann werden sich aus der Erkenntnis geistiger Wirklichkeiten heraus auch die alten Zeremonien ändern, weil es da, wo man Wirklichkeiten hat, keiner Symbole mehr bedarf.
Mit dem Andern der Zeremonien sind hier die christlichen Sakramente gemeint, in denen für die traditionelle christliche Anschauung der Sinn des Christentums enthalten ist, deren Ursprung aber bereits in den antiken Mysterien zu suchen ist.
Die sieben Stadien im menschlichen Leben sind: Geburt, Stärke (Reife), Nahrung, Zeugung, Wiedererlangung, Rede, Verwandlung.
Sie werden wie folgt charakterisiert. Die den Geburtskräften innewohnende Involution ist der mit dem Geburtsprozeß einsetzende Sterbeprozeß; er sollte geheiligt werden durch das Sakrament der Taufe.
Der gesamte Reifeprozeß einschließlich der Geschlechtsreife sollte geheiligt werden durch das Sakrament der Firmung (Konfirmation).
Mit dem als «Nahrung» bezeichneten Prozeß ist die Verleiblichung des Geistig-Seelischen im Physisch-Leiblichen gemeint, das heißt, zwischen Geistig-Seelischem und Physisch-Leiblichem muß der richtige Rhythmus hergestellt sein, damit das Seelisch-Geistige nicht in das Tierische hinuntersinkt, aber auch nicht in weltenfremde Geistigkeit sich verliert. Die diesem Evolutionsprozeß innewohnende Involution sollte geheiligt werden durch das Sakrament des Heiligen Abendmahles. Verbunden mit diesem rhythmischen Schwingungsprozeß zwischen Seelisch-Geistigem und Physisch-Leiblichem ist die Möglichkeit, auch in der Zeit immer wieder zurückschwingen zu können durch das Erinnerungsvermögen.
Zur vollständigen Entwicklung bedarf es der Erinnerung an vorhergehend erlebte Erdener-fahrungen. Die dem aus dem menschlichen Wesen evolvierenden Erinnerungsvermögen innewohnende Involution sollte geheiligt werden durch das Sakrament der Buße, das die Gewissenserforschung, die Reue und den Vorsatz einschließt, die begangenen Fehler abzulegen und entsprechende durch sich selbst oder den Andern auferlegte Vergeltung auf sich zu nehmen, so daß der Erinnerungsvorgang durchchristet und zugleich ins Moralische hinaufgehoben wird. Mit diesen vier charakterisierten Prozessen sind die Evolutionsvorgänge seit der Geburt des Menschen erschöpft. Der Erinnerungsvorgang stellt schon eine starke Verinnerlichung dar, die Evolution nähert sich bereits der Involution. Ein natürlicher Involutionsvorgang ist der Tod. Das entsprechende Sakrament ist die letzte Ölung. So wie vordem durch die entsprechenden natürlichen Lebensvorgänge das physisch-leibliche Wesen angeregt worden ist, so soll nun durch den Ölungsvorgang - der in alter Naturerkenntnis als ein Verseeligungsvorgang angesehen wurde -, das geistig-seelische Leben angeregt werden. «Es soll, im Rhythmus ausgedrückt, beim Tod das Physisch-Leibliche wieder ver- schwinden, das Geistig-Seelische wiederum Form gewinnen.» Das ist, was «Wandlung» genannt wird.
Da sich mit dem Tod das individuelle Leben des Menschen erschöpft, beziehen sich die beiden noch fehlenden Stadien und Sakramente auf et- was, was nicht mehr individueller Natur ist. Es ist einmal das Wechselver- hältnis des Menschen mit dem Himmlisch-Geistigen, wie es unbewußt bei jedem Menschen vorhanden ist. Wäre das nicht der Fall, könnte man den Weg nimmermehr zurückfinden. Aber es sei ein tief im Menschen verbor- gener Involutionsvorgang, «noch verborgener als dasjenige, was im Men- scheninnern geschieht, wenn er mit seinem Organismus durch den Tod geht», ein Prozeß, der im Verlauf des individuellen Lebens überhaupt nicht zum Bewußtsein komme. Den diesem Involutionsprozeß entsprechenden Evolutionsvorgang hätte man gesehen in dem Sakrament der Priesterweihe, das dem entspricht, was «Rede» genannt wird.
Das, was als Siebentes in Frage komme, sei das Abbild des Geistig-Seelischen im Physisch-Leiblichen, wie es in Mann und Weib zum Ausdruck komme: «Man müßte sagen, das Heruntersteigen in das irdische Leben würde durch eine gewisse Grenze bezeichnet. Das Weib erreicht diese Grenze nicht vollständig, der Mann aber überschreitet sie. Darin besteht eigentlich der Gegensatz im Physisch-Leiblichen.» Weil beide also eine gewisse Unvollkommenheit in sich tragen, bestehe zwischen ihnen ein naturgegebener Spannungszustand. «Wenn dazu der sakramentale Evolutionswert gesucht wird, so haben wir den gegeben im Sakrament der Ehe.»
Dieser Grundgedanke des Christentums in bezug auf den Sakramentalismus - daß der Mensch als unvollkommenes Wesen ins Leben tritt, teils evolutive, teils involutive Werte entwickelt, denen, um ihn zu einem sich vollständig entwickelnden Wesen zu machen, auf sakramentale Weise die Gegenwerte hinzugefügt werden sollen - sei schon nicht mehr verstanden worden, seitdem man begonnen hatte über das Sakramentale zu diskutieren. Heute jedoch hätten wir wiederum sehr nötig, zu Involutionswerten zu kommen.
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